Lagerfähigkeiten von Weinen - je älter, desto besser?

Lagerfähigkeiten von Weinen - je älter, desto besser?

Viele Weinliebhaber:innen unter uns standen sicherlich auch schon das ein oder andere mal vor dem gleichen Problem: Man kauft sich eine richtig tolle Flasche Wein oder bekommt eine solche geschenkt. Nach einigen Jahren der Aufbewahrung verspricht man sich ein besonders vollmundiges und aromatisches Erlebnis - schließlich wird der Wein mit der Zeit immer besser, oder nicht?

Wahrscheinlich mussten einige unter euch bereits schmerzlich feststellen, dass dem nicht immer so ist. Um das in Zukunft zu vermeiden, haben wir einige Infos zur Lagerfähigkeit von Weinen für euch zusammen gestellt. So könnt ihr demnächst einfacher beurteilen, ob der gute Tropfen lieber gleich getrunken werden sollte, oder ob sich das Warten vielleicht lohnt. 

Tabelle - Überblick zur Lagerfähigkeit verschiedener Weine

Heutzutage werden die meisten Weine so ausgebaut, dass sie bereits die ideale Trinkreife besitzen und eher an Qualität verlieren, würde man sie für sehr lange Zeit lagern wollen. Bei diesen Weinen kann man sich an die Werte der folgenden Tabelle halten, möchte man sie länger als wenige Monate lagern.

Wein potenzielle Lagerfähigkeit
Rotwein
  • jung & fruchtig
  • mittelkräftig
  • körperreich
  • 1 - 2 Jahre
  • 1 - 3 Jahre, maximal 5 Jahre
  • 2 - 5 Jahre, maximal 10 Jahre
Weißwein
  • frisch & zartfruchtig
  • fruchtbetont & aromatisch
  • vollmundig
  • 1 Jahr
  • 1 Jahr, maximal 2 Jahre
  • 1 - 2 Jahre, maximal 5 Jahre
Roséwein
  • 1 Jahr, maximal 2 Jahre
Süßweine
  • 3 - 10 Jahre

Bei den Angaben handelt es sich allerdings lediglich um grobe Richtwerte für Alltagsweine. Der große Spielraum dabei lässt bereits erkennen, dass eine genaue Angabe nur schwer gemacht werden kann. Am besten, der Wein wird lieber früher als später getrunken.

Weine, die für eine Aufbewahrung über einen weitaus längeren Zeitraum geeingnet sind und davon auch profitieren, machen nämlich nur einen kleinen Anteil aller Weine aus. Man vermutet, dass sich nur bei höchstens jedem zehnten Wein die Qualität durch die Lagerung steigert. Wie gut sich ein bestimmter Wein für längere Zeit lagern lässt, hängt von vielen Faktoren ab. Welche genau das sind, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen.

Eine ausführliche Tabelle, ob eure Schätzchen im Keller bereits trinkreif sind, findet ihr auf der Seite des Vinum-Magazins. Schön übersichtlich sind dort die einzelnen Jahrgänge nach Ländern und deren Gebieten sortiert. Ebenso, ob der gute Tropfen lieber noch liegen bleiben sollte und wie gut der betreffende Jahrgang ist, kann man aus dieser Tabelle ablesen. So lässt sie sich auch nutzen, um herauszufinden, welche Weine ein gutes Lagerpotenzial haben.

Ihr habt für viel Geld eine oder mehrere Flaschen lagerfähigen Wein gekauft und möchtet nun auch sicher gehen, dass sich dessen volles Potenzial durch die Lagerung noch entfalten kann? Dann ist es lohnend, sich unsere Tipps zur idealen Weinlagerung zu Herzen zu nehmen, damit sich die Investition auch voll und ganz lohnt!

Lagerfähigkeit von Wein - wichtige Einflussfaktoren

Wir wissen bereits, dass ein Großteil der Weine nicht dafür bestimmt sind, lang gelagert zu werden, sondern um sie baldmöglich zu trinken. Das macht es umso schwieriger, einen Wein zu finden, den man auch mal guten Gewissens mehrere Jahre im Keller einlagern kann und der dabei im Idealfall auch noch besser wird. Auf welche Merkmale man beim Kauf eines solchen Weins achten sollte, könnt ihr nun im Folgenden nachlesen.

bestimmte Inhaltsstoffe

Der Gehalt von Zucker und Säure in Weißweinen sowie zusätzlich von Gerbstoffen in Rotweinen hat einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack und ist somit bestimmungsgebend für den Charakter eines Weines. Aber ebenso beeinflussen diese verschiedenen Komponenten die Lagerfähigkeit eines Weines und können diese begünstigen. Für alle gilt: Je mehr davon im Wein enthalten ist, desto eher eignet sich dieser für eine langfristige Lagerung.

Vor allem in Weißweinen fördert ein erhöhter Gehalt an Säure eine lange Haltbarkeit des Weines, da sie das Wachstum von Bakterien verhindern kann, sodass der Wein länger frisch bleibt.

Eine ähnliche Wirkung hat auch Alkohol, welcher Bakterien ebenso abtötet. Mindestens 12,5 % Alkohol sollten im Wein enthalten sein, damit sich dieser positiv auf die Lagerfähigkeit auswirken kann.

Zucker hingegen hat eine konservierende Wirkung. Das ist der Grund, warum viele Süßweine verhältnismäßig lang gelagert werden können: Selbst wenn sie einen geringen Akoholanteil haben, kann dies durch den erhöhte Zuckergehalt ausgeglichen werden. Es gibt einige edelsüße Trockenbeerenauslesen, die sogar bis zu 100 Jahre gelagert werden können, obwohl sie in der Regel weitaus weniger als 10% Alkohol beinhalten.

Auch Gerbstoffe (Tannine) tragen zur Lagerfähigkeit von Weinen, genauer gesagt von Rotweinen bei. Sie lösen sich bei der Weinherstellung aus Stielen, Kernen und Schalen der Trauben heraus. Weil Gerbstoffe die Oxidation des Weines verhindern, welche den Alterungsprozess beschleunigen würde, sind sie sehr zuträglich für die Lagerfähigkeit. Enthält der tanninreiche Wein zusätzlich einen höheren Alkoholanteil (ab 13%), kann dies ebenso das Lagerpotenzial verlängern.

Rebsorte 

Einige Rebsorten eignen sich besonders gut, um daraus lagerfähige Weine zu vinifizieren. Das sind jene, welche eine oder mehrere Eigenschaften kombinieren, die eine gute Lagerfähigkeit begünstigen - also besonders viel Säure oder Tannine beinhalten.

So sind es vor allem Rotweine aus Cabernet Sauvignon, Nebbiolo, Sangiovese, oder auch Syrah, die man sehr lang aufbewahren kann und welche oftmals in dieser Zeit noch nachreifen. So entfalten sie dann ihr volles Potenzial erst nach der Lagerung. Sie alle zeichnen sich durch einen erhöhten Tanningehalt aus. Die Rebsorte Tannat ist ebenso sehr gerbstoffhaltig, daher leitet sich ihre Bezeichnun auch von "Tannin" ab.

Unter den Weißweinen sind es vor allem Rebsorten wie Rieslig oder Grüner Veltliner, aus denen sich aufgrund ihres hohen Säureanteils sehr gut lagerfähige Weine herstellen lassen.

Art und Qualität der Herstellung 

Nicht nur die Rebsorte beeinflusst die Lagerfähigkeit eines Weines, sondern ebenso die Herstellung. Die Konzentrierung des relevanten Inhaltsstoffes Tannin kann dabei durch geeignete Maßnahmen verstärkt werden und die Zugabe von Sulfiten ist ebenso ein wichtiger Schritt, damit Weine überhaupt langfristig lagerfähig sind.

Durch die Reifung im Holzfass gelangen zusätzliche Tannine in den Wein, denn diese sind ebenfalls im Holz enthalten und können sich daraufhin im Wein lösen. Aus diesem Grund werden in der Regel auch ausschließlich neue oder nur selten genutze Holzfässer verwendet, welche noch ausreichend viele Gerbstoffe abgeben können.

Eine weitere Rolle für den Tanningehalt spielt die Maischestandzeit. Das ist jene Zeit, in welcher die leicht angequetschten (Rot)Weintrauben auf dem Most (Saft) stehen, bevor sie endgültig ausgepresst und weiterverarbeitet werden. In dieser Zeit lösen sich die Tannine aus den Bestandteilen der Traube heraus. Dementsprechend sorgt eine lange Maischestandzeit für einen hohen Tanningehalt und somit ein besseres Lagerpotenzial.

Neben Tanninen, die vor allem bei Rotwein von Bedeutung sind, ist Schwefel oder genauer gesagt die Zugabe von Sulfiten ein nicht zu vernachlässigender Aspekt bei der Weinherstellung. Sie haben die Funktion ein Oxidieren des Weins zu verhindern. Daher werden sie bei Weißweinen öfter eingesetzt, da sie anfälliger dafür sind. Zudem haben Sulfite eine mikrobielle Wirkung und schützen vor Bakterien und Pilzen. Das ist auch wichtig, da die Weinlese zum großen Teil maschinell statt findet und es somit leider auch mal vorkommen kann, dass sich faule Trauben unter dem geernteten Lesegut befinden.

Sonstige Faktoren

Große Magnum-Weinflaschen sehen nicht nur imposant aus - sie können auch zuträglich bei der Lagerung des (Schaum-)Weines sein. Das liegt einerseits daran, dass der Alterungsprozess in einer großen Flasche wesentlich langsamer verläuft. Anderererseits ist das Glas der Flasche meist auch dicker, sodass der Inhalt besser vor Licht geschützt ist.

Neben der Flaschengröße kann auch der Verschluss das Lagerpotenzial beeinflussen. Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, Kork sei der qualitativ hochwertigere Verschluss, ist es tatsächlich so, dass Schraubverschlüsse die bessere Wahl sind, wenn es um die Art des Verschlusses geht. Sie dichten die Flasche weitaus besser ab als ein Korken, welcher einen minimale Sauerstoffzufuhr zulassen. So reift der Wein also langsamer unter einem Drehverschluss, als er es unter Kork tuen würde. Allerdings kann man dem leicht vorbeugen: Wer einen Wein mit Korkverschluss für längere Zeit einlagern möchte, dann diesen mit Wachs versiegeln, sodass der Luftaustausch gänzlich verhindert wird.

lagerfähiger Rotwein

Ein typsiche Rotwein, auf welchen viele der genannten Eigenschaften zutreffen, ist beispielsweise Barolo aus dem italienischen Piemont. Jung schmeckt dieser noch sehr hart, daher muss man diesen zunächst einige Jahre lagern, damit er reifen und seinen vollen Geschmack entfalten kann. Andere italienische Weine, bei denen dies der Fall ist, sind Brunello di Monalcino und Amarone.

Auch viele höherpreisige Weine aus Frankreich sollten besser ersteinmal einige Jahre reifen, bevor sie genossen werden können. Dazu zählen in der Regel Grand Crus und Premier Crus aus dem Bordeaux oder dem Burgund. Aus Spanien sind es Gran Reserva-Weine, die eine längere Lagerung bedürfen. Gran Reserva bedeutet, dass sie vor der Flaschenabfüllung besonders lang im Holz gereift sind.

lagerfähiger Weißwein

Unter Weißweinen gibt es eine weitaus kleinere Auswahl an Weinen, die sich gut längere Zeit lagern lassen. Das liegt vor allem daran, dass sie anders als Rotweine kaum Tannine enthalten.

Nichtsdestotrotz finden sich auch unter ihnen Weine, die man gern mal ein paar Jahre im Weinkeller ruhen lassen darf. Vor allem Riesling-Weine eigenen sich sehr gut, da sie von Natur aus einen hohen Säureanteil haben. Allerdings sollte man dann darauf achten, einen qualitativ hochwertigen Wein zu lagern wie beispielsweise eine Auslese oder Spätlese. Zudem haben viele Chardonnay Weine aus Frankreich ein gutes Lagerpotential, nicht zuletzt, da diese sehr häufig im Holzfass ausgebaut werden.

Lagerfähigkeit von Champagner & Sekt

Schaumweine, zu welchen unter anderem Champagner & Sekt gehören, eignen sich nur bedingt zur längeren Lagerung. Sie sollten am besten sofort oder innerhalb eines Jahres getrunken werden.

Einige Winzersekte können allerdings auch mal zwei bis drei Jahre gelagert werden. Am ehesten für eine längere Verwahrung geeignet sind Champagner, sie können maximal fünf Jahre liegen gelassen werden. Zudem gibt es verschiedene Prestige- & Jahrgangschampagner, welche auch mal zehn Jahre aufbewahrt werden können, vorausgesetzt man sorgt für ideale Lagerbedingungen.

Wein lagern - warum überhaupt?

Dass Weine irgendwie besser werden können mit der Zeit haben wir vermutlich alle schon einmal gehört. Was bei der Lagerung aber tatsächlich passiert und wie dieses "Besser" eigentlich schmeckt, bleibt aber leider oft unbeantwortet. 

Wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu tief greifen und die chemischen Prozesse im Detail beschreiben, welche den Geschmack eines Weines verändern können. Zumindest aber möchten wir einen groben Einblick geben, inwiefern geeignete Weine von der Lagerung überhaupt profitieren können.

Zum einen wären da die besonders tanninhaltigen Weine. Besonders wenn der Wein noch jung ist, können diese oft recht ruppig schmecken. Wird der Wein für längere Zeit gelagert, so werden diese weicher und der Wein schmeckt dann geschmeidiger. Grund dafür ist, dass die Tannine Sauerstoff binden, welcher im Wein gelöst ist oder stellenweise in ganz geringen Mengen in die Flasche gelangen kann. Bei dieser Reaktion, die auch Polymerisation genannt wird, entstehen Verbindungen, welche den Wein schließlich weicher schmecken lassen.

Zum anderen reagiert die im Wein enthaltene Säure mit dem Alkohol, sodass sich die Aromen verändern können. Diesen Prozess nennt man Veresterung. Häufig hat diese zur Folge, dass die Säure nach einigen Jahren der Lagerung geschmacklich abgemildert wird und der Wein somit runder schmeckt. Zudem enstehen Aromastoffe, welche auch das Geschmack und Bouquet (Geruch) des Weines verändern können. Sehr bekannt ist beispielsweise die Petrolnote von älteren, lang gelagerten Riesling-Weinen. Es können sich aber auch Aromen von Trockenfrüchten, Schokolade oder Nüssen bilden und einige Weißweine bekommen mit zunehmender Reife oft süßliche Honignoten.

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