Frau und Mann
Oktober 23, 2015 Allgemein Keine Kommentare

Es gibt weltweit über 10.000 verschiedene Rebsorten, von denen 2.500 für die Weinproduktion zugelassen sind. Diese Reben belegen zusammen 7.528.000 Hektar der Erde. Das ist eine Fläche, die so groß ist, wie Bayern, Baden Württemberg und Rheinland Pfalz zusammen. Ganz schön viel Wein! In Deutschland werden um die 150 Sorten angebaut. Dazu kommen noch die unzähligen Kombinationsmöglichkeiten durch Weincuvées. Wie man es auch dreht und wendet, alle Weine durchzuprobieren ist eine Aufgabe, die bestimmt mehrere Leben in Anspruch nimmt, wenn es überhaupt möglich ist.

Bei so einer Aussicht wird sich der ein oder andere motivierte Weinfreund unter euch ja vielleicht darüber freuen, dass es eine Theorie gibt, die eure abzuarbeitende Weinliste erheblich eingrenzt: Es gibt Frauenweine und Männerweine! Demnach schmeckt den Herren unter euch sowieso nur eine bestimmte Art Wein, und umgekehrt. Wenn an diesem Gerücht etwas dran ist, könnte man sich ja einen ganzen Haufen Zeit und Arbeit für die Leber sparen.

Bärte und Blümchen

Das Bild vom tiefroten Bordeaux trinkenden, bärtigen, gut gekleideten Mann schwirrt in vielen Köpfen umher. Man findet sogar immer öfter Weingüter, die sich auf richtige Männerweine spezialisiert haben. Hier ein Wein für den „Grilltisch“, da für die „Männerfreundschaft“, oder für „die großen Jungs“. Allesamt kräftige Rotweine die als fleischig, würzig oder rauchig beschrieben werden, so richtig plakativ männlich.

Die sogennanten Frauenweine haben dagegen alberne Namen wie „Whispering Angel Rose“ oder „Lady“ mit pinkem Ettikett und Blümchen oder Schmetterlingen. Solche Weine werden als süffig, süß, oder lieblich bezeichnet. Meistens sind es sogar Roséweine. Was soll man dazu noch sagen.

In den Köpfen vieler Menschen wird dem Geschlecht also zunächst einfach eine Farbe zugeordnet. Männer trinken Rotwein, Frauen trinken lieber Weißwein und Rosé. Das ist natürlich Quatsch! Studien belegen, dass 53% der deutschen Frauen Rotwein bevorzugen, bei den Männern sind das 65%. Genauso ist Rosé natürlich gar nichts für Männer, der ist immerhin rosa. Aber auch hier zeigen die Zahlen, das Männer sogar öfter Rosé trinken als Frauen: 8% zu 5,6%.

Neben der Farbe gibt es außerdem den Trend zur Unterscheidung von geschmacklich „maskulinen“ und „femininen“ Weinen. Maskuline Weine sind herb, säurehaltig und kräftig. Feminine Weine sind süß, leicht und fruchtig oder süffig. Diese stereotypische Unterscheidung gibt es nicht erst seit gestern und hat auch eine gewisse Berechtigung. Zum einen bevorzugen einige Frauen leichtere Weine, da diese weniger Alkohol enthalten und Frauen aufgrund ihrer biologischen Voraussetzungen bekanntlich etwas weniger vertragen als Männer. Zum anderen ist es ein Bild, das man im Laufe der Geschichte der Frauenwelt aufdrückte: Männer essen Steak, Frauen Salate, Männer trinken Whiskey, Frauen Likör, Männer essen Herrencreme mit ordentlich Rum, Frauen…alles andere, Hauptsache süß.

Power to the Weintrinker!

Doch wir leben im 21. Jahrhundert. Frauen essen Steak und so mancher Mann verdrückt mehr Kekse als das Krümmelmonster. Die britische Weinexpertin, DIE Weinexpertin mit einem akademischen „Master of Wine“, Jancis Robinson äußert sich zu der Geschlechterfrage so: „Frauen gehen viel entspannter an das Thema Wein heran. Für Frauen ist die Wahl eines Weins kein Statussymbol. Frauen wählen einen Wein, den sie trinken wollen, nicht einen Wein, mit dem sie etwas zeigen wollen.“ Frauen geht es demnach hauptsächlich um den Geschmack, nicht um mit Sozialprestige verbundene Nebenwirkungen des Weintrinkens. Studien zufolge sind Frauen im Geschmack experimentierfreudiger als Männer, welche bei der Weinauswahl oft auf Namen, Parker-Punkte oder den Preis achten, wie auf die PS-Zahl beim Auto. Frauen trinken keine „femininen“ Weine, weil sie Frauen sind, sondern weil sie schmecken, aber aus genau demselben Grund trinken genauso viele Frauen gerne „maskuline“ Weine. Umgekehrt gilt das gleiche natürlich auch für den Geschmack der Männer, die nicht nur Wein „für große Jungs“ trinken, weil das besonders männlich ist, sondern eben auch mal einen Rosé genießen.

Somit wäre der Mythos Frauenwein – Männerwein ad absurdum geführt. Da müsst ihr euch wohl doch ein bisschen mehr Zeit nehmen um euch durch die ganze Bandbreite der Weinwelt zu probieren und herauszufinden, welcher Weintyp ihr seid. Trinkt, was euch schmeckt! 🙂

 

 

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