Aufgereihte Weinflaschen

8 interessante Fakten über Wein, die du kennen musst!

Wein ist komplexer, als man denkt und enthält neben Alkohol viele verschiedene Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Enzyme oder Vitamine, die Auswirkungen auf uns Weintrinker:innen haben. Das liefert jede Menge Stoff für Untersuchungen und Experimente, denn wir wollen ja schließlich wissen, was wir uns da einflößen. Wir haben für euch die acht interessantesten Studien zum Thema Wein aus den letzten Jahren rausgesucht, die so manch spektakuläre Erkenntnis brachten.

Studie 1: Macht Wein das Leben länger?

In Wein befindet sich der Inhaltsstoff Resveratrol, wegen dem ein Glas Rotwein am Tag lange als Geheimtipp für ein längeres Leben galt. Forschern der Johns-Hopkins University in den USA zufolge müssen die, die nach ewiger Jugend streben aber wohl weiterhin zum Schöhnheitsdoktor laufen. Die positive Wirkung von Resveratrol auf den menschlichen Körper wurde in einer Langzeitstudie quasi widerlegt. Dabei wurden 800 ältere Menschen, die in Weinanbaugebieten in der Toskana lebten, neun Jahre lang beobachtet. Sie tranken jeden Abend ein Glas Rotwein, waren alle bei der ersten Erhebung älter als 64 Jahre und ihre gesundheitliche Verfassung wurde streng dokumentiert. Die nächsten Kontrollen fanden nach drei, sechs und neun Jahren statt. Zum Zeitpunkt der zweiten Erhebung waren 34,2% der Proband:innen bereits verstorben, darunter zwar zum Großteil ältere, die sich weniger bewegten, aber keine überdurchschnittlichen Raucher:innen oder Trinker:innen. Eine Auswirkung von Resveratrol auf ihre Gesundheit konnte nicht nachgewiesen werden. Auch auf die Proband:innen, die nach neun Jahren noch lebten, hatte der Stoff keinen messbar positiven Einfluss im Gegensatz zu Menschen der Altersgruppe, die keinen Wein tranken. Wein ist eben doch kein Zaubertrank, aber schmecken tut er.

Studie 2: Ein Glas Wein für die Schönheit

An alle eitlen Menschen unter uns - ihr könnt euch die Stunden vorm Spiegel und im Bad vor dem Ausgehen sparen! Trinkt ein Glas Wein – genau ein Glas! – und ihr wirkt gleich viel attraktiver auf euer Umfeld. Ergeben hat das eine Studie der Bristol University: 40 Teilnehmende wurden fotografiert, einmal zu Beginn, einmal nach dem ersten Glas Wein und einmal nach einem zweiten Glas Wein. Die Fotos wurden von nüchternen Proband:innen nach Attraktivität bewertet. Heraus kam eine signifikant höhere Bewertung der Bilder nach einem Glas Wein. In diesem Zustand wirkten die Fotografierten am attraktivsten und sympathischsten auf ihr Umfeld. Die Forscher vermuten, dass dies an der entspannenden Wirkung des Weins liegt. Nach nur kleinen Mengen weiten sich die Pupillen und die Gesichtsmuskulatur entspannt sich, das Gesicht wirkt offener. Bei mehr Alkohol kann die Wirkung schon wieder verfliegen oder umschlagen, die Menge ist hier also der ausschlaggebende Punkt. Wenn euer gegenüber selbst nicht mehr nüchtern ist, sieht die Lage natürlich ganz ander aus. Also weg mit den Cremes und dem Make-up und her mit dem Wein!

Mann vor Spiegel

Studie 3: Schmeckt uns teuer wirklich besser?

Forschungen der Universität Bonn und der französischen Business School INSEAD haben ergeben, dass uns teurer Wein besser schmeckt, obwohl er qualitativ nicht hochwertiger ist. Das liegt an einem simplen Placebo-Effekt: Es kostet mehr, also muss es besser sein. So haben wir es von klein auf gelernt. Um das zu prüfen, hat das Forscherteam den Teilnehmenden nicht so ganz reinen Wein eingeschenkt. Sie durften drei Gläser Wein trinken, das erste für drei Euro, eins für sechs Euro und ein Glas mit 18 Euro teurem Wein -angeblich. De facto haben die Forscher dreimal den gleichen Wein eingeschenkt, der rund zwölf Euro kostet. Trotzdem wollen die meisten der Probanden den angeblich teuersten Wein eindeutig als den besten erkannt haben. Der Effekt beruht auf unseren individuellen Gehirnstrukturen, die für den positiven Belohnungseffekt verantworlich sind. Wir haben ein stärkeres Geschmacksempfinden, wenn dieser Teil aktiviert wird. “Insbesondere Verbraucher mit geringer Weinexpertise orientieren sich beim Weinkauf am Preis und gehen davon aus, dass sie mit dem teureren Wein einen besseren einkaufen”, sagt Weinwirtschaft-Professor Jon Hanf von der Fachhochschule Geisenheim. Die Industrie kennt diesen Effekt, aber ein unbegrenztes Anziehen der Preise ist durch die große Konkurrenz in der Branche nicht möglich - ein Glück für uns als Verbraucher.

Studie 4: Schlau trinken mit Wein?!

Zu diesem Thema gibt es zwei Argumentationen: Wein fördert die Intelligenz oder intelligente Menschen aus höheren Bildungsschichten habe ein besseres Einkommen und trinken deshalb mehr Wein. Ganz schön kontrovers, deshalb gibt es dazu natürlich ein paar Studien. Dänische Forschende der Universität von Kopenhagen haben herausgefunden, dass Wein wirklich schlauer macht. Dabei wurde die demografische Variable natürlich beachtet, bevor die Kritiker:innen hier ihre Stimmen erheben. Aber um nicht nur die eine Studie zu nennen, hier ein paar Zahlen einer Untersuchung vom Londoner University College. Dort wurde eine Langzeitstudie mit 10.000 Beamt:innen aus der selben Bildungsschicht durchgeführt. Das stellt eine representative Stichprobe unter optimalen Bedingungen dar. Das Ergebnis war auch hier eindeutig. Diejenigen unter den Teilnehmenden, die am Tag eine halbe Flasche Wein tranken, schnitten deutlich besser im IQ Test ab als der andere Teil der Gruppe. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der Weinkonsum den Blutfluss verstärkt, das Gehirn also mehr Sauerstoff erhält und somit besser arbeiten kann. Somit kann diese Studie untermauern, dass der Wein den Unterschied macht anstatt der vorhandenen Bildung. Sollte man den Kaffeeautomaten im Büro vielleicht durch ein Weinregal austauschen? Ja, nein, vielleicht. Aber in diesem Fall macht Alkohol (in überschaubaren Mengen) ausnahmsweise nicht dumm!

Idee

Studie 5: Dein Weinglas ist voller, als du denkst!

Niemand würde gerne zugeben, dass er oder sie öfter mal etwas mehr trinkt, als eigentlich geplant war. Gut, dass das jetzt gar nicht mehr nötig ist. Eine Studie hat herausgefunden, dass man sich meist mehr Wein ins Glas schüttet, als eigentlich beabsichtigt war. Naja gut, manchmal ist es vielleicht schon beabsichtigt. So landet durchschnittlich 9% mehr Weißwein im Glas, als Rotwein. Wissenschaftler der Cornell Universität haben erforscht, welche Aspekte beim Einschenken von Wein insbesondere eine Rolle spielen. Zum einen wie bereits angedeutet die Weinsorte. Bei Weißwein wird durchschnittlich immer mehr zugelangt. Dies könnte daran liegen, dass man Weißwein im Glas schlicht und einfach weniger gut erkennt als Rotwein. Außerdem füllen wir breite Weingläser 12% mehr als schmale. Macht Sinn, schmale Gläser füllen sich schneller, bei breiten dagegen rechnen wir das Volumen nicht mit und orientieren uns fälschlicherweise an der Höhe des Weinstandes. Überrascht hat uns, dass wir das Glas voller machen, wenn wir es in der Hand halten. 12% mehr Inhalt befindet sich in Gläsern, die während des Einschenkens festgehalten wurden im Gegensatz zu denen, die dabei auf dem Tisch stehen. Mysteriös. Habt ihr also großen Weindurst, gönnt euch einen Weißwein aus einem breiten Glas direkt aus der Hand. Dann könnt ihr es immer noch auf die Wissenschaft schieben.

Studie 6: Krebsrisiko

Wenn man sich ein bisschen um gesunde Ernährung bemüht und sich mit den einzelnen Lebensmitteln auseinandersetzt, kommt einem eine Aussage ziemlich oft in die Quere: Dieses Nahrungsmittel fördere das Krebsrisiko oder aber jenes solle es angeblich vermindern. So gut wie alles im gängigen Supermarkt hängt anscheinend irgendwie mit Krebs zusammen. Auch der liebe Wein, aber das ist vielen wahrscheinlich schon bekannt. Es gibt unzählige Studien zu dem Thema, die sowohl die eine als auch die andere Seite stützen. Wiegt man diese gegeneinander auf, so kommt man zu keinem klaren Ergebnis, welche Seite denn nun überwiegt - wahrscheinlich keine. Demnach ist Wein, insbesondere Rotwein, sowohl krebsfördernd als auch krebslindernd. Eine vielleicht, eventuell, auf jeden Fall deutliche Aussage.

Zudem ist es gut zu wissen, dass von 50.000 Studien im Jahr nur ungefähr 3.000 einen wirklichen Nutzen für die weitere Forschung haben oder gar Durchbrüche verbuchen können. Der Rest ist zumindest für sich alleine stehend nicht aussagekräftig. Was tun wir jetzt mit dem Rotweinproblem? Da wahrscheinlich sogar die Luft, die wir atmen krebserregend ist (oder auch krebslindernd, wer weiß?) gönnen wir uns erstmal ein Schlückchen und genießen den Moment, in dem wir munter und gesund sind!

Studie 7: Die Etikettentrinker

Rotweinflasche mit weißem Etikett im goldenen Bilderrahmen

Wir empfinden nicht nur den Preis als wichtiges Kriterium für die Qualität des Weins, sondern lassen uns oftmals auch von den Etiketten zum Kauf verleiten. Das bestätigt auch eine Studie der University of Michigan. Die Etiketten und das damit zusammenhängende Bild des Weins ist ausschlaggebend für unsere Entscheidung: „Je besser uns das Etikett gefällt, desto besser schmeckt uns auch der Wein.“ Wenn man kein Experte ist, setzt man bei der Wahl auch gerne mal auf die äußere Erscheinung der Flasche. Adelstitel, gutes Design, Aufwändigkeit. Wenn es teuer aussieht, glaubt der Käufer an die gute Qualität und wenn der Preis dann noch bezahlbar ist, denkt er, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Zwei angebliche Fliegen mit einer Klappe. In seinem Buch „99 Bottles of Wine“ gesteht Etikettendesigner David Schuemann, das die Flaschen oft mit Goldschrift, 3D-Siegeln und cremeweißen Hintergünden optisch aufgewertet werden und, dass dies bei den Kunden tatsächlich großen Zuspruch findet. Wenn wir schon bei schönen Etiketten sind: Testet doch mal unsere Glück auf Küwees! 😉

Studie 8: Wein gegen Depression?

Miguel A. Martínez-González, Forscher an der Universität von Narvarra, führte eine Langzeitstudie durch, die den Effekt von Wein auf die menschliche Psyche untersucht. 7 Jahre später, nach Begutachtung und ärtzlichen Untersuchungen von 5500 Teilnehmenden zwischen 55 und 80 Jahren ohne Alkoholprobleme oder psychische Krankheiten, kam er zu dem Ergebnis, dass Wein sich positiv auf die mentale Gesundheit auswirken kann: Weintrinende erkrankten weniger oft an Depressionen oder ähnlichen psychischen Erkrankungen. Das beste Ergebnis erzielten die Teilnehmenden, die bis zu sieben kleine Gläser Wein pro Woche tranken. Dank der Phenole macht Wein in Maßen also glücklich, nicht nur Schokolade! Allerdings sind diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen: Einerseits sind die Anlagen zu Depressionen vererbbar und es ist nicht bekannt, ob Erkrankungen in den Familien der Teilnehmenden vorlagen. Andererseits sollte man in jedem Fall im Hinterkopf behalten, dass die Probanden und Probandinnen zum Start der Studie alle psychisch gesund waren. Wer bereits einer Depression leidet oder diese bei sich vermutet, der oder dem ist geraten, sich professionelle Unterstützung zu suchen und vom Alkohol zunächst einmal Abstand zu nehmen.

Am Ende kommen wir zu dem Ergebnis: Wein hilft vielleicht nicht gegen Krebs oder verspricht ewiges Leben, aber er macht schlau, schön, glücklich und schmeckt wunderbar. Viele gute und natürlich wissenschaftlich belegte Gründe, um Wein zu trinken! 

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