Tisch mit Wein und Menschen
Oktober 7, 2015 Allgemein Keine Kommentare

Auf zu viel Alkohol am Abend folgt bekanntlich der Kater am Morgen, ein ziemlich unbeliebter Gast. Das haben die meisten von euch bestimmt schon des Öfteren erleben dürfen. Mit der Zeit entwickelt man ein paar Tricks und Gewohnheiten um die lästigen Kopfschmerzen und Übelkeit zu vermeiden, denn wer will schon den halben Tag mit Aspirin im Bett verbringen. Nicht zu viel durcheinander trinken, zwischendurch etwas essen und einen Schluck Wasser trinken, oder schlicht und einfach früh genug auf Alkoholfreies umsteigen. Hält man diese Regeln ein, trinkt nur ein, zwei Gläser Wein und wacht trotzdem mit einem Brummschädel auf, liegt die Schuld wahrscheinlich nicht allein beim Alkoholgehalt oder der Menge.

Für den Kater nach einem schönen Abend mit ein paar Gläschen Wein ist nicht, wie lange vermutet wurde, der Gerbstoff Tannin verantwortlich, sondern mikrobielle Botenstoffe im Wein, die sogenannten Histamine. Der menschliche Körper produziert diese selbst und kann sie, sowie eine bestimmte Menge von außen zugeführter Histamine, gut abbauen. Das ist eine gute Nachricht, denn auch in anderen Lebensmitteln sind Histamine enthalten. Mit zunehmender Reife, Weiterverarbeitung und Haltbarmachung von Speisen wie zum Beispiel Käse oder Eingelegtem steigt der Histamingehalt an, was für gesunde Menschen nicht problematisch ist. Im Normalfall kann ein Mensch bis zu 10 mg Histamin pro Tag verarbeiten.Wird mehr als diese Menge aufgenommen, kann dies zu Problemen führen. Einige Menschen (ungefähr ein Drittel) reagieren jedoch sehr empfindlich auf Histamine und zeigen bei Konsum Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schwitzen und Atemprobleme auf. Was sich wie ein Kater anfühlt, kann also auch eine allergische Reaktion auf die Stoffe im Wein sein.

Beim Wein spielen deshalb gesunde Trauben, schnelle und hygienische Verarbeitung, die Lagerung des Most (am besten in Edelstahltanks) und ein biologischer Säureabbau eine große Rolle, um die vermehrte Histaminbildung zu verhindern. Vor allem nach einem leckeren Glas Rotwein dürften die Betroffenen die Folgen merken. Der niedrigere pH-Wert im Weißwein senkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Mikroorganismen dort vermehren können. Damit sind Süß- und Weißweine also nicht die schlimmsten Weine, wenn es um Kopfschmerzen geht. Greift man zu einem schweren Rotwein, der nicht optimal histaminvermeidend verarbeitet wurde, und isst dazu Käse und Meeresfrüchte, dann kann der nächste Morgen schon mal ungemütlich werden.
Natürlich wollen die wenigsten wegen einer Histaminempfindlichkeit ihr Leben lang auf Wein verzichten. Gut, dass wir fünf Tipps für euch parat haben, die den (Histamin-)Kater erträglicher machen:

 

1. Wasser
Einfach aber wirksam: Viel trinken! Am besten magnesiumhaltiges, stilles Wasser. Ein großes Glas in der Stunde führt dem Körper genug Flüssigkeit zu. Kaffee dagegen entzieht dem Körper Nährstoffe und Wasser. Darauf sollte man also bei jeglicher Form eines Katers lieber verzichten. Und Finger weg vom Konterwein!

2. Vitamine
Lebensmittel mit hohem Vitamingehalt oder auch eine Multivitamintablette können helfen den Haushalt wieder auszugleichen und Histamine sowie Alkohol abzubauen. Tomatensaft, frisches Obst und Honig können alternativ auch helfen.

3. Eiweiß
Frischer Fisch, Hühnerfleisch oder Frischkäse helfen der Leber beim Abbau. Auch Papaya oder scharfes Essen enthalten Enzyme, die den Vorgang unterstützen. Natürlich ist ein scharfes Gericht nach einer feucht-fröhlichen Nacht nicht für jeden gleich bekömmlich.

4. Frische Luft
Sauerstoff und ein bisschen Bewegung regen den Kreislauf an. Das hilft dem Körper beim Arbeiten und lindert Kopfschmerzen. Ein Spaziergang an der frischen Luft kann also manchmal echte Wunder wirken. Schuhe an und los!

5. Antihistaminicum
Für schwere Fälle, die, Hand aufs Herz, wirklich nicht von zu viel Wein kommen, gibt es in der Apotheke sogenannte Antihistaminica (z.B. Zyrtec, Semprex oder Acrivastin), die die Symptome lindern. Diese sollten wie alle anderen Medikamente, wirklich nur im Notfall eingenommen werden. Und besser als wir kann euch da euer Arzt beraten.
Wir hoffen, dass den wenigsten unter euch Histamine zu schaffen machen, damit wir weiterhin das ein oder andere Glas mit euch heben können. Denn einen „normalen“ Kater darf sich dagegen natürlich jeder mal gönnen. 😉