Drei Weingläser
November 6, 2015 Allgemein Keine Kommentare

Wein ist komplexer als man denkt und enthält neben Alkohol viele verschiedene Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Enzyme oder Vitamine, die Auswirkungen auf uns Weintrinker haben. Das liefert jede Menge Stoff für Untersuchungen und Experimente, denn wir wollen ja schließlich wissen, was wir uns da einflößen. Wir haben für euch die 8 interessantesten Studien zum Thema Wein der letzten Jahre rausgesucht, die so manch spektakuläre Erkenntnis brachten.

Studie 1: Macht Wein das Leben länger?

In Wein befindet sich der Inhaltsstoff Resveratrol, wegen dem ein Glas Rotwein am Tag lange als Geheimtipp für ein längeres Leben galt. Forschern der Johns-Hopkins University in den USA zufolge müssen die, die nach ewiger Jugend streben aber wohl weiterhin zum Schöhnheitsdoktor laufen. Die positive Wirkung von Resveratrol auf den menschlichen Körper wurde in einer Langzeitstudie quasi widerlegt. Dabei wurden 800 ältere Menschen, die in Weinanbaugebieten in der Toskana lebten, 9 Jahre lang beobachtet. Sie tranken jeden Abend ein Glas Rotwein, alle waren bei der ersten Erhebung älter als 64 Jahre und ihre gesundheitliche Verfassung wurde streng dokumentiert. Die nächsten Kontrollen fanden nach 3, 6 und 9 Jahren statt. Zum Zeitpukt der zweiten Erhebung waren 34,2% der Probanden bereits verstorben, darunter natürlich zum Großteil ältere, die sich weniger bewegten, aber keine überdurchschnittlichen Raucher oder Trinker. Eine Auswirkung von Resveratrol auf ihre Gesundheit konnte nicht nachgewiesen werden. Auch auf die Probanden, die nach 9 Jahren noch lebten, hatte der Stoff keinen messbar positiven Einfluss im Gegensatz zu Menschen der Altersgruppe, die keinen Wein tranken. Wein ist eben doch kein Zaubertrank, aber schmecken tut er.

Studie 2: Ein Glas Wein für die Schönheit

Mädels, ihr könnt euch die Stunden vorm Spiegel und im Bad vor dem Ausgehen sparen! Trinkt ein Glas Wein – genau ein Glas! – und ihr wirkt gleich viel attraktiver auf euer Umfeld. Ergeben hat das eine Studie der Bristol University: 40 Teilnehmer wurden fotografiert, einmal zu Beginn, einmal nach dem ersten Glas Wein und einmal nach einem zweiten Glas Wein. Die Fotos wurden von nüchternen Probanden nach Attraktivität bewertet. Heraus kam eine signifikant höhere Bewertung der Bilder nach einem Glas Wein. In diesem Zustand wirkten die Fotografierten am attraktivsten und sympathischsten auf ihr Umfeld. Die Forscher vermuten, dass dies an der entspannenden Wirkung des Weins liegt. Nach nur kleinen Mengen weiten sich die Pupillen und die Gesichtsmuskulatur entspannt sich, das Gesicht wirkt offener. Bei mehr Alkohol kann die Wirkung schon wieder verfliegen oder umschlagen, die Menge ist hier also der ausschlaggebende Punkt. Wenn euer gegenüber selbst nicht mehr nüchtern ist, sieht die Lage natürlich ganz ander aus. Also weg mit den Cremes und dem Make Up, her mit dem Wein!

Studie 3: Schmeckt uns teuer wirklich besser?

Forscher der Universität Bonn und der französischen Business School Insead haben herausgefunden, das uns teurer Wein besser schmeckt, obwohl er qualitativ nicht hochwertiger ist. Das liegt an einem simplen Placebo-Effekt: Es kostet mehr, also muss es besser sein. So haben wir es von klein auf gelernt. Um das zu prüfen hat das Forscherteam den Teilnehmern nicht so ganz reinen Wein eingeschenkt. Sie durften drei Gläser Wein trinken, das erste für 3€, eins für 6€ und ein Glas mit 12€ teurem Wein. Angeblich. In Wirklichkeit haben die Forscher dreimal den selben Wein eingeschenkt. Trotzdem wollen die meisten der Probanden den teuersten Wein eindeutig als den besten erkannt haben. Der Effekt beruht auf unseren individuellen Gehirnstrukturen, die für den positiven Belohnungseffekt verantworlich sind. Wir haben ein stärkeres Geschmacksempfinden wenn dieser Teil aktiviert wird. „Insbesondere Verbraucher mit geringer Weinexpertise orientieren sich beim Weinkauf am Preis und gehen davon aus, dass sie mit dem teureren Wein einen besseren einkaufen“, sagt Weinwirtschaft-Professor Jon Hanf von der Fachhochschule Geisenheim. Die Industrie kennt diesen Effekt, aber ein unbegrenztes Anziehen der Preise ist durch die große Konkurrenz in der Branche, zum Glück des Verbrauchers, nicht möglich.

Studie 4: Schlau trinken mit Wein?!

Zu diesem Thema gibt es zwei Argumentationen: Wein fördert die Intelligenz, oder, intelligente Menschen aus höhere Bildungsschicht habe ein höheres Einkommen und trinken deshalb mehr Wein. Ganz schön kontrovers, deshalb gibt es dazu natürlich ein paar Studien. Die Dänen der Universität von Koppenhagen haben herausgefunden, das Wein wirklich schlauer macht. Dabei wurde die demografische Variabele natürlich beachtet, bevor die Kritiker hier ihre Stimmen erheben. Aber um auch den letzten zumindest ein bisschen zu überzeugen, hier ein paar Zahlen: Am Londoner University College wurde eine Langzeitstudie mit 10.000 Beamten aus der selben Bildungsschicht durchgeführt. Eine representative Stichprobe unter optimalen Bedingungen um zu untermauern, dass der Wein den Unterschied macht, nicht die vorhandene Bildung. Das Ergebniss war, dass diejenigen unter den Probanden, die am Tag eine halbe Flasche Wein tranken, deutlich besser im IQ Test abschnitten als der Rest. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Weinkonsum den Blutfluss verstärkt und das Gehirn somit mehr Sauerstoff erhält und besser arbeiten kann. Sollte man den Kaffeeautomaten im Büro vielleicht durch ein Weinregal austauschen? Ja, nein, vielleicht. Aber in diesem Fall macht Alkohol (in überschaubaren Mengen) ausnahmsweise nicht dumm!

Studie 5: Dein Weinglas ist voller, als du denkst!

Niemand würde gerne zugeben, dass er öfter mal etwas mehr trinkt, als geplant war. Gut, dass er das jetzt nicht mehr muss. Eine Studie hat herausgefunden, dass jeder Weintrinker sich meistens mehr ins Glas schüttet, als er eigentlich beabsichtigt (Naja gut, manchmal ist es schon beabsichtigt). So landet durchschnittlich 9% mehr Weißwein im Glas, als Rotwein. Wissenschaftler der Cornell Universität haben erforscht, welche Aspekte beim Einschenken von Wein insbesondere eine Rolle spielen. Zum einen wie bereits angedeutet die Weinsorte. Bei Weißwein wird durchschnittlich immer mehr zugelangt, dies könnte daran liegen, dass man Weißwein im Glas schlicht und einfach weniger gut erkennt, als Rotwein. Außerdem füllen wir breite Weingläser 12% mehr als schmale. Macht Sinn, schmale Gläser füllen sich schneller, bei breiten dagegen rechnen wir das Volumen nicht mit und orientieren uns fälschlicherweise an der Höhe des Weinstandes. Überrascht hat uns, dass wir das Glas voller machen, wenn wir es in der Hand halten: 12% mehr Inhalt befindet sich in Gläsern, die während des Einschenkens festgehalten wurden im Gegensatz zu denen die dabei auf dem Tisch stehen. Mysteriös. Habt ihr also großen Weindurst, gönnt euch einen Weißwein aus einem breiten Glas, direkt aus der Hand. Dann könnt ihr es immer noch auf die Wissenschaft schieben.

Studie 6: Krebsrisiko

Wenn man sich ein bisschen um eine gesunde Ernährung kümmert und sich mit einzelnen Lebensmitteln auseinander setzt, kommt einem eine Aussage ziemlich oft in die Quere: Dieses und jenes Mittel fördert das Krebsrisiko, oder auf der anderen Seite, isst du dies oder das vermindert sich dein Risiko, an Krebs zu erkranken. So gut wie alles im gängigen Supermarkt hängt anscheinend irgendwie mit Krebs zusammen. Auch der liebe Wein, aber das ist den meisten wahrscheinlich schon bekannt. Es gibt unzählige Studien zu dem Thema, die sowohl die eine als auch die andere Seite stützen und wiegt man diese gegeneinander auf, stehen die Forscher sich am Ende wahrscheinlich 50:50 gegenüber. Demnach ist Wein, insbesondere Rotwein, sowohl krebsfördernd als auch krebslindernd. Eine vielleicht eventuell auf jeden Fall deutliche Aussage. Dazu ist gut zu wissen, dass von 50.000 Studien im Jahr nur ungefähr 3.000 wirklich einen Nutzen für die weitere Forschung haben, oder gar Durchbrüche verbuchen können. Der Rest ist zumindest für sich alleine stehend nicht aussagekräftig. Was tun wir jetzt mit dem Rotweinproblem? Da wahrscheinlich sogar die Luft, die wir atmen krebserregend ist (oder auch krebslindernd, wer weiß?) gönnen wir uns erstmal ein Schlückchen.

Studie 7: Die Etikettentrinker

Wir empfinden nicht nur den Preis als wichtiges Kriterium für die Qualität des Weins, laut einer Studie der University of Michigan sind auch die Etiketten und das damit zusammenhängende Bild des Weins ausschlaggebend für unsere Entscheidung: „Je besser uns das Etikett gefällt, desto besser schmeckt uns auch der Wein.“ Wenn man kein Experte ist, setzt man bei der Wahl auch gerne mal auf die äußere Erscheinung der Flasche. Adelstitel, gutes Design, Aufwändigkeit. Wenn es teuer aussieht, glaubt der Käufer an die gute Qualität und wenn der Preis dann noch bezahlbar ist, denkt er, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Zwei angebliche Fliegen mit einer Klappe. In seinem Buch „99 Bottles of Wine“ gesteht Etikettendesigner David Schuemann, das oft mit Goldschrift, 3D-Siegeln und cremeweißen Hintergünden die Flaschen optisch aufgewertet werden und dass das bei den Kunden tatsächlich großen Zuspruch findet.

Studie 8: Wein gegen Depression?

Miguel A. Martínez-González, Forscher an der Universität von Narvarra, führte eine Langzeitstudie durch, die den Effekt von Wein auf die menschliche Psyche untersucht. 7 Jahre, 5500 Probanden zwischen 55 und 80 Jahren, ohne Alkoholprobleme oder psychische Krankheiten und viele viele ärztliche Untersuchungen später kam er zu dem Ergebniss, das Wein sich positiv auf die mentale Gesundheit ausprägt, bzw. Weintrinker weniger oft an Depressionen und Ähnlichem erkranken. Das beste Ergebnis erzielten die Teilnehmer, die bis zu 7 Gläser Wein pro Woche tranken. Dank den Phenolen macht Alkohol in Maßen also glücklich, nicht nur Schokolade! Keine so große Überraschung für uns 😉
Wein hilft vielleicht nicht gegen Krebs oder verspricht ewiges Leben, aber er macht schlau, schön, glücklich und schmeckt wunderbar. Viele gute (wissenschaftlich belegte) Gründe, um Wein zu trinken.

 

 

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