Cuvée
Januar 23, 2014 Allgemein Keine Kommentare

Neulich hatte ich eine Flasche Rotwein bei einem geselligen Abend geöffnet, auf dem das Wort Cuvée drauf prangte. Meine Zechgenossen fragten was das denn sei. Darauf folgte eine kurze Erklärung von mir und die lapidare Antwort der Trinkkumpanen: „Also gepanschter Wein?!“ Ach, ja … panschen klingt jetzt nicht so sexy, deswegen brechen wir hier mal eine Lanze für eine Cuvée:

Der Begriff Cuvée kommt aus dem Französischen und steht für Cuve = Weinbehälter und bezeichnet eigentlich nur eine bestimmte Menge Wein eines Behälters. In Deutschland spricht man von einer Mischung verschiedener Rebsorten, also verschiedener Trauben, von verschiedenen Jahrgängen oder auch von verschiedenen Weinberglagen. Der Wein bekommt eine niedrige Prädikatsstufe, wenn Tafel- und Qualitätsweine oder Qualitätsweine verschiedener Anbaugebieten miteinander gemischt werden, da sie in Deutschland nur mit der gleichen Prädikatsstufe verschnitten werden dürfen. In der Champagne (der Ort, aus dem der Champagner kommt) hingegen bezeichnet eine Cuvée den Mostertrag, der nach dem ersten Vorgang des Pressens aufgefangen wird und die Téte de Cuvée bezeichnet den ,,Kopf‘‘, den besten Teil der Ernte, welchen es gesondert zu kaufen gibt.

Warum macht man nun das Ganze, ist die nächste Frage. Ursprünglich wollte man sowohl die Qualität des Weines steigern, als auch das Niveau sowie den Geschmack über die Jahrzehnte aufrechterhalten. Heutzutage zählt aber wohl eher, dass auch wirklich für jeden Gaumen ein passender Wein bzw. eine passende, für ihn schmackhafte Cuvée dabei ist. Ein interessanter Gesichtspunkt ist, dass man in den nördlichen Regionen weniger Verschnitte findet als in den südlichen Gebieten. Die Trauben im Norden sind qualitativ hochwertiger und intensiver, weswegen die Eigenschaften verschiedener Weinsorten in wärmeren Gebieten gemischt werden, um die bestmögliche Aromenvielfalt zu erzeugen.

Bei der Herstellung einer Cuvée wählt der Kellermeister einen kräftigen Rotwein, welcher mit verschiedenen fruchtigen und leichten Weinen harmonieren soll. Der „1838“ von Bergdolt-Reif & Nett und die ,,Domaine Bosc Long Cuvée du Dome‘‘ sind gute Beispiele für unsere Cuvée. Der ,,1838‘‘ besteht aus den Rebsorten Cabernet, Dornfelder, Lagrein und Merlot, die nur im Gewölbekeller gelagert werden. Der farbenintensive Dornfelder reift als Einziger im Zementfass, während die leichten, fruchtigen Rebsorten im Holz- und Barriquefass vor sich hin gären bis die verschiedensten Aromen wie Kirschen, Brombeeren, Cassis und Himbeeren, aber auch Kakao, Vanille und sogar Lakritz wahrzunehmen sind. Christian Nett, der Inhaber vom Bergdolt- Reif & Nett Weingut erklärt, dass ,,eine Cuvée […] uns die Freiheit [gibt], verschiedene Sorten und Typen zu einer gemeinsamen Harmonie zu führen“. Die ,,Domaine Bosc Long Cuvée‘‘ besteht zu 34% aus dem tiefen Rotwein, dem Braucol und zu 33% aus dem fruchtig, leichten Cabernet-Sauvignon sowie zu 33% aus Merlot. Durch diese Mélange entsteht ein intensiver Duft von Waldfrüchten und starken Cassisaromen, die von zarten Gewürzen und Tanninen ergänz werden.