Weinrallye #92
November 27, 2015 Allgemein Keine Kommentare

„Farbe bekennen“, das ist das Motto der Weinrallye #92. Da machen wir mit! Und sehen ganz klar schwarz.

Auvernat Meunier, Black Cluster, Blanc Meunier, Blanche Feuille, Blaue Postitschtraube, Blauer Riesling, Bourgogne Miller’s, Carpinet, Cerny Mancujk, Crédinet, Enfariné, Farineux Noir, Fernaise, Feuille blanche, Frésillon, Fromenté, Frühe blaue Müllerrebe, Goujean, Gris Meunier, Meunier , Miller Grape, Miller´s Burgundy, Mlynářka, Molnar Toke, Molnarszölö, Morillon Tacone, Morone Farinaccio, Moucnik,, Müllertraube, Müllerweib, Munier, Noirien de Vuilapans, Noirin Enfariné, Pinot mene, Pinot femelle, Pinot Meunier, Pinot Negro, Plant de Brie, Rana Modra Mlinaria, Resseau, Riesling Noir, Sarpinet, Schwarzblaue Müllerrebe, Trézillon, Wrotham Pinot – so viele Namen…für ein und dieselbe Sache, den Schwarzriesling.

Der Schwarzriesling ist gar kein Riesling, er sieht nur so aus und sein Rebwuchs verhält sich ab und zu wie der einer Rieslingrebe. Außerdem hat Riesling einen so guten Ruf, das man sich dachte der Schwarzriesling könne ruhig auch ein Stückchen vom Kuchen vertragen. Eigentlich ist er abkömmig vom blauen Spätburgunder, seit dem 16. Jahrhundert bekannt und hat nichts mit Weißwein am Hut. Mit Ausnahme der weiß gekelterten Schwarzrieslinge ist er tief rubinrot und fruchtig, zum Beispiel in Richtung Kirsche oder Johannisbeere und zeigt eine relativ milde Säure. Ein samtiger, typischer Burgunderwein, das klingt doch schon mal lecker, oder nicht?

 

Hier scheiden sich die Geister

Merkwürdig, dass die Rebe trotz ihrer moderaten Anbauansprüche ausschließlich in Württemberg und Teilen von Franken angebaut wird, in nicht gerade artenreicher Vielfalt.Gerade mal 2.000 Hektar nehmen die Reben insgesamt in Deutschland ein. Sie sind unkompliziert, spätaustreibend und nicht sonderlich frostgefährdet. Trotzdem gilt Schwarzriesling hauptsächlich als Sektgrundwein und wird häufig in französischen Cuvées und Champagner verarbeitet. Alleine strahlen darf er selten, er gehört schließlich nicht zu den geschichtsträchtigen, lang gelagerten, vielschichtigen Aushängeschildern der Weinwelt. Als Dämmerschoppen hingegen findet er in den Anbaugebieten öfter mal seinen Weg in die Literflasche und fristet dort ein unglamouröses Schattendasei für Trinker mit wenig Zeit und großem Ehrgeiz. Mit dem deutschen roten Liebling, dem Spätburgunder kann der Schwarzriesling erst recht nicht mithalten, dieser belegt zum Vergleich über 12.000 Hektar Boden.

Die Franzosen, zumindest die der Champagne, sind da irgendwie anderer Meinung: 30% ihres Weinanbaus besteht aus dem Schwarzriesling. Dort ist er als Meunier bekannt und beliebt, die „Müllertraube“. Der Name kommt von dem leichten Flaum, der die Trauben umgibt und aussieht wie eine Schicht Mehl. Jedoch schafft er es in reiner Form nur sehr selten bis in die Flasche, sondern gesellt sich fröhlich zu Pinot Noir und Chardonnay. Ein Stück weiter in Burgund, seinem eigentlichen Ursprungsgebiet, ist die Traube wiederrum gar nicht als Qualitätswein zugelassen.

 

Dunkle Schale, heller Kern: Was der Schwarzriesling alles kann

Im Grunde ist die unterschätzte Traube die personifizierte Nächstenliebe: Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, gibt sich mit einem Platz in der Cuvéemasse zufrieden, unterstützt ihre Mitweine und ist bescheiden im Anbau. Außerdem heißt es, dass die Schwarzrieslingtraube einen Anteil an vielen Rebkreuzzüchtungen, zum Beispiel mit dem Taminer, hat und zu den Urvätern des Burgunders gehört. Ein regelrechter Underdog mit versteckter Heldenmission.

Was wir ohne schlechtes Gewissen sagen können: Schwarzriesling ist ein sehr gut trinkbarer Wein, der, richtig eingesetzt, viele Qualitäten hat und begeistern kann. Der Schwarzriesling ist definitiv im Kommen und wird nicht lange unentdeckt bleiben, denn in Württemberg haben sich einzelne Weingüter auf die Traube spezialisiert und arbeiten an qualitativen Weiterentwicklungen. Im Weinregal ist er in vielen Nuancen von knochentrocken bis leicht-süß zu finden. Je nachdem welchen Typ man bevorzugt, darf er zum weihnachtlichen Wildgulasch, oder auch zum lauen Grillfest im Sommer – sogar leicht gekühlt – serviert werden.

Wir sind jetzt schon Fan und sind uns sicher, dass der Spätburgunder da in Zukunft mal ein bisschen Platz im deutschen Weinregal machen muss. Schwarzriesling is coming!