Blutige Hand mit Weinglas
Oktober 30, 2015 Allgemein Keine Kommentare

Jede Medaille hat zwei Seiten, das gilt neben Allem im Leben auch für unseren heißgeliebten Wein. Welcher Anlass wäre besser, um ein paar skurrile, makabere, bizarre Geschichten auszugraben, als Halloween? Zu blutrotem Wein passt doch am besten ebenholzschwarzer Humor, der auf wahren Begebenheiten beruht…

 

Tödliche Trinkspiele

Unsere vinophilen Vorfahren hatten definitiv eine merkwürdige Vorstellung von Spaß. Ein beliebtes italienisches Trinkspiel, passatella, ist genauso einfach wie fragwürdig: Eine Runde Männer trank so viel Wein wie möglich und machte zwischendurch Pausen, um sich gegenseitig zu beleidigen. Um das Ganze etwas fröhlicher zu gestalten, wurde jedem Spieler zu Beginn ein Messer in die Hand gedrückt. Es gibt zwei Spieler, die den anderen vorschreiben dürfen, wann und wie viel sie trinken. Kein Wunder, dass die Durstigen in der Runde öfter die Geduld verloren und ihr Messer schwangen. Bizarre Regeln, scharfe Waffen und ein blutiges Ende…keine Ahnung warum dieses Spiel offiziell verboten war, klingt doch ganz lustig.

 

Flutsch und weg

Charmayne Maxwell war in den 1990ern Sängerin in der R’n’B Band Brownstone. Bis 2015 lebte sie mit ihrer Familie in Los Angeles, USA. Im Febraur 2015 starb sie bei einem wirklich unglücklichen Unfall: Als ihr Mann von der Arbeit kam, fand er Charmayne blutüberströmt auf dem Küchenboden vor. Mit schweren Verletzungen am Hals verstarb sie bereits auf dem Weg ins Krankenhaus. Nach Angaben der örtlichen Polizei sei sie wahrscheinlich ausgerutscht und auf mysteriöse Weise in die Scherben ihres zerbrochenen Weinglases gefallen. Ob sie unter Alkoholeinfluss stürtzte ist bis heute unbekannt, ein ungewöhnlicher und wahrscheinlich einmaliger Unfall ist es allemal.

 

Die Romanee-Conti-Affaire

Die Domaine de Romanee-Conti gilt als berühmtestes Weingut in Burgund und eines der besten der Erde. Eine durchschnittlche Flasche Wein kostet hier um die 900€. Da ist es kein Wunder das die Inhaber ihren Weinberg wie ihren Augapfel hüten. Im Januar 2010 fand eine Karte des Weinberges ihren Weg zu Mitinhaberin Aubret de Villaine. Auf der Karte waren zwei Parzellen rot gefärbt, dabei lag ein Brief in dem 1,4 Millionen Euro gefordert wurden. Angeblich seien die Reben der zwei roten Parzellen vergiftet und weitere würden bis zur Zahlung des Geldes folgen. Das Geld sollte – stilecht – im Koffer um Mitternacht auf einem Friedhof in Chambolle-Musigny übergeben werden. Entgegen den Drohungen des Erpressers verständigten die Inhaber die Polizei. Um Mitternacht begab Aubret sich tatsächlich zum besagten Treffpunkt, dabei einen Koffer, in dem sich aber kein Geld, sondern ein Haufen Papier befand. So gelang es der Polizei den Erpresser, Jacques Soltys, festzunehmen. Dieser kam frisch aus dem Gefängnis und hatte seinen tollkühnen Plan von seinem Zellennachbarn abgeguckt, der begeisterter Weintrinker war.

 

Tiger Bone Wein

Die Welt der Weine ist schön, aber kann manchmal auch ganz schön skurril sein. Da sind Weine, die zusammen mit Meteoriten gereift werden noch langweilig. In machen Weinbaugebieten der Erde geschehen wirklich merkwürdige Dinge, die nichts mehr mit Trauben oder Weinbergen zu tun haben. In Kanada wird ein populärer Wein aus fermentierten Tomaten hergestellt. Naja, wenn‘s schmeckt. In China dagegen werden ganz andere Seiten aufgezogen. Dort gibt es einen Wein, der längst als illegal eingestuft wurde, den tiger bone wine. Dieser wird, wie der Name sagt, aus Tigerknochen hergstellt, die in Reiswein eingelegt wurden. Auktionsveranstaltungen mit diesem „Wein“ werden reihenweise verboten, doch in China gilt der Besitz einer Flasche davon als Statussymbol, was ihn umso beliebter macht. Das pure Verbrechen in Flaschen. Ein anderer Wein wird in China hergestellt, für den Körperteile von Hunden, Seelöwen und Rehen eingelegt werden. Er dient als Potenzmittel und zur Verbesserung des qi. Die Menschen, die das trinken, möchte ich persönlich nicht kennen lernen.

 

Sinister Hand Wine

Ein blutroter Wein mit ganz schön makaberem Hintergrund wird auf dem Weingut Owen Roe in Columbia, USA hergestellt. Sinister Hands, zu deutsch unheimliche Hände basiert auf der langen Familiengeschichte des irischen Patrioten Owen Roe O’Neill. Die Geschichte beschreibt eine Familienfehde im späten 17. Jahrhundert zwischen den O’Neill’s und den O’Reilly’s. Die beiden irischen Familien trugen einen Ruderwettbewerb aus, um zu entscheiden, wer ein begehrtes Stück Land erhielt. Wer die Küste zuerst erreichte, wurde zum neuen Besitzer ernannt. Während des Wettruderns fiel das Boot der O’Neill’s, welche in den vorherigen Jahrhunderten fast ganz Nordirland besaßen, nach kurzer Zeit zurück. Es sah ganz danach aus, als müssten sie aufgeben, als ein Ruderer zu seinem Schwert griff, sich die linke Hand abschlug und sie an Land warf. Seine Hand war das Erste, was das Land berührte, demnach wurde die Familie O’Neill der rechtmäßige Besitzer des Landes. Bis heute ist es in Familienbesitz und ironischerweise sind die jetzigen Besitzer David und Angelica O’Reilly. Ja, DIE O’Reilly’s! Diese haben sich im Laufe der Jahrhunderte in die O’Neill Familie eingeheiratet. So geht es natürlich auch.

 

Die Jefferson Saga

In den 1980er Jahren kaufte Milliardär William Koch eine Weinsammlung für eine halbe Million US Dollar vom deutschen Musiker Hardy Rodenstock. Die Sammlung bestand gerade mal aus vier Flaschen, ganz schön stolzer Preis. Das Besondere an diesem Wein sei laut Rodenstock, dass er dem dritten US Präsidenten Thomas Jefferson gehört hatte. Auf den Flaschen fand man eine Gravur mit seinen Initialen, demnach müssten sie aus dem Jahr 1789 stammen. Jefferson selbst soll sie in einem versteckten französischen Keller entdeckt haben. Da es neben Rodenstocks Aussage keinen Beweis für die Richtigkeit der Angaben gab, engagierte Koch aus Misstrauen einen FBI Agenten um der Sache nachzugehen. Zusammen mit einem Experten von Scotland Yard und MI5 (Ja, es geht immer noch nur um ein paar Flaschen Wein), machten sie den Physiker Philippe Hubert ausfindig. Dieser konnte mit Hilfe der Atombombe aus den 1940ern herausfinden wie alt die Flaschen waren. Bei der Detonation der Bombe entstand ein neues Isotop, Cäsium-137, das seitdem in geringer Menge fast überall vorzufinden ist. Mit einem Gamma-Strahlen Detektor kam er zu dem Ergebnis, dass die Flaschen kein Cäsium-137 enthielten, ergo wurde der Jeffersonwein vor 1945 abgefüllt und verschlossen. Punkt für Rodenstock. Nach einiger Zeit und vielen Untersuchungen fand das Team heraus, dass die Initialen mit einem Elektrowerkzeug der Zahnheilkunde graviert wurden. Das dürfte sich im 18. Jahrhundert etwas schwierig gestaltet haben. Punkt für Koch. Dieser Fund hatte 25 Millionen Dollar Anwaltskosten für Koch und eine 12 Millionen Dollar Strafe für Rodenstock zur Folge. Viel Lärm um nichts, aber guten Stoff für einen Krimi würde es wohl abgeben.

 

Dybbuk Box

Jetzt kommen wir zu einem Phänomen, dass der Paranormal Activity – Filmreihe locker Konkurrenz macht. Die Dybbuk oder Dibbuk Box ist eine alte Weinschatulle, die ihre Aufmerksamkeit 2001 in Amerika erlangte. Die Geschichte begann, als ein Mann die Schatulle bei einer Haushaltsauflösung erwarb. Sie hatte einer jüdischen, 103 Jahre alten Frau gehört, dessen Enkelin sich zu der Zeit um ihren Nachlass kümmerte. Der Käufer besitzt ein Antiquitätengeschäft für welches er immer wieder neue Stücke sucht. Er nahm die Schatulle mit nach Hause, wo er sie öffnete. Im Inneren fand er eine vergoldete Granitstatue mit hebräischer Inschrift, einen goldenen Weinkelch, einen schwarzen Kerzenhalter, Rosenblätter und zwei Haarlocken, eine blond und eine schwarz. Im Laufe der nächsten Wochen geschahen dem Käufer eine Reihe merkwürdiger Dinge: Seine Familie (alle waren mit der Box in Berührung gekommen) wurde von Alpträumen heimgesucht, sobald sich jemand in der Nähe der Schatulle befand, strömte sie einen Geruch von Jasminblüten oder Katzenurin aus, der Käufer begann Schatten zu sehen und als seine Mutter die Box berührte, erlitt sie einen Schlaganfall. Schließlich versteigerte er sie im Juni 2002 auf ebay. Die originale Ebayanzeige könnt ihr dort noch nachlesen. Der zweite Käufer war ein Student, der in einer WG mit sechs anderen Studenten lebte. Er hatte die Dybbuk Box aus Neugier gekauft und seine Mitbewohner und er machten sich einen Spaß daraus, auszutesten, was hinter dem Geisterkram steckt. Ein paar Ungezieferplagen, gebrochene Finger, Gestankswolken und Haarausfall später (außerdem konnte die Box sich von alleine öffnen und den Platz wechseln, gutes Horrorfilmpotenzial!) – der Student war inzwischen in eine Einzelwohnung gezogen weil niemand mit ihm und der Box zusammenleben wollte – beschloss auch er, sich im Februar 2004 von der unheimlichen Box zu trennen. Danach erwarb der aktuelle Besitzer und Museumsleiter, Jason Haxton, die Schatulle und begann sie zu untersuchen. Er fand heraus, dass die hebräischen Inschriften auf eine Art Dämon hinweisen (Dybbuk oder auch Keselim) und auch Jason geschahen paranormale Dinge, wie Sehstörungen und Blutergüsse ohne wirklichen Grund, typisches Geisterzeug eben. Er ist heute im Besitz der vollständigen Krankenhausunterlagen, welche die durch die Box entstandenen Verletzungen dokumentieren und forscht mit einem Team – unter anderem ein paar Rabbis – an der Geschichte der Dybbuk Box, die ihn nach Polen geführt hat. Aktuell ist die Box versiegelt in seinem Lager verstaut und wird so schnell nicht wieder den Besitzer wechseln oder das Tageslicht sehen. Auf einer Website  informiert Haxton die Millionen neugierigern Verfolger der Geschichte über seine Entdeckungen mit Bildern, der genauen Aussagen der ersten beiden Besitzer und seinen Forschungsergebnissen. So macht man also aus Geistern Geld.

Und ich dachte immer, merkwürdige Geschichten entstehen nur durch Tequila. Genießt euren Wein, Happy Halloween! 

 

 

Bildrecht © Lockstin/deviantart.com