Glühwein mit Orange
Dezember 9, 2013 Allgemein Keine Kommentare

Alle Jahre wieder kommt der Weihnachtsmarkt und mit ihm der Glühwein. Und alle Jahre wieder kommt der Streit, ob es sich bei besagtem Glühwein um ein gutes Produkt handelt oder einfach nur um Plörre. Denn nur allzu oft hört man am Tag nach einem Weihnachtsmarktbesuch das Klagen über Kopfschmerzen und manchmal auch Übelkeit und dann auch das Gezeter und wüste Beschimpfungen auf den Glühwein. Man weiß zwar nicht, welcher der Glühweine von welcher Bude es gewesen sei, aber einer dieser Glühweine war es, der einem diese körperliche Gewalt angetan hat.

Werfen wir erst mal einen Blick zurück und schauen, wo der Glühwein herkommt, nämlich aus der Antike. Denn hier tranken die alten Römer, Conditum Paradoxum, einen Würzwein. Dieser wurde zwar nicht warm getrunken, weißt aber einige Parallelen zu unserem heutigen Glühwein auf. Aus dem Kochbuch des Caelius Apicius ist auch das passende Rezept dieses Getränks überliefert. So kocht man zunächst Honig mit ein wenig Wein auf und gibt Pfeffer, Lorbeerblätter, Safran und Datteln mit hinzu. Diese Essenz wird dann mit weiterem Wein gestreckt. Na, klingt schon mal gar nicht so weit weg von Glühwein, oder? Allerdings tranken die Menschen ihn später (auf jeden Fall im Mittelalter) auch warm, denn die freigesetzten ätherischen Öle lösen in der kalten Jahreszeit Glücksgefühle aus und zack, war das dunkle Mittelalter nicht mehr so dunkel. Vielleicht kommt ja daher das Wort Glühwein?

Heute verfeinert man den Glühwein noch mit weiteren Gewürzen, allerdings handelt es sich bei diesen um die üblichen Aromen, die man zu Weihnachten finden kann: Zimt, Sternanis, Gewürznelken und Zitronenschalen, vielleicht auch mal ein wenig Kardamom (ohne diese Gewürze würde es auch keinen Lebkuchen geben!). Also die Gewürze ab in den Wein und diesen erhitzen, allerdings nicht über 78° C, denn dann verdampft der Alkohol. Auch werden die Gewürze bitter und es entsteht das Zuckerabbauprodukt Hydroxymethylfurfural, welches im Verdacht steht krebserregend zu sein.

Kauft man die schönen Glühwein-Tetra-Packs oder Flaschen beim Discounter, so wird man hier zumeist industriell minderwertige Weine bekommen, welche durch Zucker aufgepimpt wurden, damit sie nicht mehr ganz so fürchterlich schmecken. Wenn man also vielleicht mal Glühwein genießen möchte ohne vernichtende Kopfschmerzen am nächsten Morgen zu haben, dann bleibt nur noch eins: Nach einem der vielen schönen Rezepte schauen und den Glühwein einfach selber machen. Für einen guten Glühwein eigenen sich am besten schwere Südweine oder aber auch Weißweine aus Deutschland. Vielleicht einen Riesling von Weingut Kiebel einfach würzen und nur wenig Zucker beimischen und man hat einen Spitzen Glühwein der ordentlich Geschmack hat und welchen man am besten mit Freunden trinken und genießen kann.

Und zum Abschluss wollen wir noch mit einem Mythos aufräumen: Packt man (wie es auf den Weihnachtsmärkte ja üblich ist) noch einen Schuss Rum, Weinbrand, Amaretto, Korn oder sonst welche Schnäpse mit in den Glühwein hinein, so ist es kein Glühwein mehr sondern ein Punsch.

Und dann an dieser Stelle sei noch mal eine Frage erlaubt, welche mir schon seit Jahren auf der Seele brennt: Was haben diese Mittelaltermärkte mit Weihnachten zu tun? Ich verstehe es einfach nicht.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!